Von der Brauakademie zum Brauer: Wer auf überwiegend kleineren Straßen von Gräfelfing nach Maisach radelt, kann sich nach 36 meist flachen Kilometern bei einer Biergarten-Einkehr von der dortigen Braukunst überzeugen. Und zugleich einiges über Mathias Kneißl lernen, besser bekannt als Räuber Kneißl oder „bayerischer Robin Hood“.
– Seit 1993 bildet die Gräfelfinger Akademie Braumeister aus, 2000 war sie Mitgründer der World Academy und 2004 startete der erste Lehrgang zum Biersommelier. Einmal im Jahr schaut die Welt des Bieres nach Gräfelfing, immer dann, wenn inzwischen fast 2500 Biere im Wettkampf um den begehrten Beer Star Award antreten. Seit 2016 schickt auch die Brauerei Biere zu Wettbewerben. 2019 gewann sie in Gräfelfing in der Kategorie German-Style Kellerbier hell einen silbernen Stern.
Startpunkt der Tour ist der Gräfelfinger Bahnhof. Über die Bahnhofstraße fährt man zur Würm hinunter, auf dem Kirchweg vorbei an St. Johannes der Täufer und weiter auf dem Paul-Eipper-Weg über die Lindauer Autobahn in den Paul-Diehl und den sich anschließenden Pasinger Stadtpark. Im Hermann-Hesse-Tunnel, der westlich des Pasinger Bahnhof unter den Gleisanlagen durchführt, sorgt Martin Blumöhrs „Tunnelblick“ für Farbe. 2014 verwirklichte er sein murales Kunstprojekt im öffentlichen Raum auf der ganzen Länge der Unterführung: ein 2,5 Meter breites und 90 Meter langes Band, das von architektonischen, politischen und kulturellen Besonderheiten des Münchner Stadtteils zeugt.
Hinter der A99 wird‘s ländlich
Nördlich der Schienen führt die Route nach Westen und in die Marschnerstraße, in der zwei Villen im Landhausstil, entworfen Ende des 19. Jahrhunderts vom Büro August Exters, sehenswert sind. Am Ende der Alten Allee wird die Bebauung lockerer und hinter der Brücke über die A99 geradezu ländlich, obwohl man sich noch im Münchner Stadtgebiet befindet. Nach der A8 geht es nochmals über die A99, dann ist erst mal Schluss mit den Autobahnüberquerungen.
Die Tafernwirtschaft „Zum Haderecker“, 1897 im Grundbuch eingetragen als „Wirtshaus im Graßlfinger-Moos mit dem Besitzer und Gastwirt Andreas Haderecker“, liegt bereits auf Olchinger Grund und damit im Landkreis Fürstenfeldbruck. Doch den verlässt man bald wieder, wechselt in den Kreis Dachau, durchquert Feldgeding und schließlich Bergkirchen. Der Anstieg ist kurz und happig, dann wird die Route wieder sanft wellig, passiert das winzige Bibereck und führt durchs etwas größere Deutenhausen. Zwischen Deutenhausen und Kreuzholzhausen lädt eine Picknickstelle mit zwei Bänken, Tisch und, bei klarer Witterung, grandioser Aussicht auf München und die Alpen zur Rast ein. Doch Vorsicht: Oft sind die Bänke besetzt, wenn man ankommt.
Kreuzholzhausen nördlichster Punkt
Kreuzholzhausen ist der nördlichste Punkt der Tour erreicht. Auch weiter in Richtung Süden herrscht kaum Autoverkehr. In Thal hat man wieder den Kreis Fürstenfeldbruck erreicht. Weit ist es nicht mehr: Hinter Überacker kommt schon Maisach, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 806.
Die Brauerei, mitten im Ort gelegen, wurde 1556 gegründet, 40 Jahre nach Erlass des bayerischen Reinheitsgebotes. 2016 übernahm Michael Schweinberger den Betrieb, der mit Dampfmaschinen von 1898 und 1920 sowie einem Sudkessel von 1901 und einer Schrotmühle von 1925 ausgestattet ist. Eines der bekanntesten Biere dürfte das Räuber Kneißl sein, ein Dunkles, ausgezeichnet mit dem International Craft Beer Award 2016. Auf dem Brauereigelände liegt auch das mit einem ruhigen Biergarten ausgestattete Bräustüberl Maisach, das eigens für den 1902 wegen Mordes hingerichteten Mathias Kneißl ein kleines Museum eingerichtet hat. Marcus H. Rosenmüller verfilmte 2007 die letzten zehn Jahre des 1875 im Dachauer Hinterland geborenen Mathias Kneißl. Im Maisacher Museum sind neben Zeitungsausschnitten aus der Zeit auch Kleidungsstücke zu sehen, die Mathias Kneißl getragen haben soll, und Schmuckstücke, deren Raum ihm zur Last gelegt wurde.
Wer will, kann mit der S3 vom Maisacher Bahnhof aus nach Pasing fahren und von dort an der Würm entlang zurück nach Gräfelfing radeln oder auf die Bahn verzichten und komplett zurückradeln, diesmal allerdings auf direktem Weg über Eichenau und Puchheim.
Der Track zur Tour findet sich hier.
Weitere Radtouren führen von Krailling zum Kloster Fürstenfeld, von Planegg zum Dachauer Schloss, von Neuried zum Kirchheimer Bajuwarenhof und von Stockdorf zwischen den Seen durch nach Tutzing.
September 07, 2020 at 10:15PM
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Gräfelfing: Radtour zur Maisacher Brauerei | Gräfelfing - Merkur.de
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Sanft
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